Seit dem 01.12.2008 bieten wir unseren Patienten in Zusammenarbeit mit der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Tübingen einen ersten molekulargenetischen Urintest mit Spezifität für das Prostatakarzinom an. Dieser Test gibt zusätzliche Informationen, wenn PSA und rektale Untersuchung keine eindeutigen Ergebnisse liefern und kann so die Biopsie-Entscheidung verbessern.
Der Test ist kein Ersatz für die Biopsie, kann aber ein wesentliches Kriterium darstellen, wann eine Biopsie erfolgen soll. Dies gilt ganz besonders für Männer mit erhöhtem PSA, bei denen eine vorangegangene Biopsie unauffällig war.
Leider wird dieser hochmoderne molekulargenetische Labortest zurzeit von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen und muss vom Patienten selbst bezahlt werden.
PCA-3 – dieses Kürzel steht für einen neuartigen molekulargenetischen Test zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms. Auf aktuellen internationalen wissenschaftlichen Kongressen ist gezeigt worden, dass mit dem PCA3-Test ein Verfahren aus der experimentellen Forschung soweit weiterentwickelt wurde, dass es nunmehr für die Diagnostik des Prostatakarzinoms verwendbar ist. Der Test ist nun in Europa zugelassen.
Die Chancen für eine mögliche Heilung des Prostatakarzinoms steigen, je frühzeitiger gesichert werden kann, dass tatsächlich ein Tumor vorliegt. Organbegrenzte Prostatakarzinome können dauerhaft geheilt werden. In diesem Stadium hat der Patient noch keinerlei Symptome, Vorsorgeuntersuchungen sind notwendig. Als erste Hinweise auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms stehen heute bisher der PSA-Wert im Blut und die rektale Tastuntersuchung der Prostata zur Verfügung. Bei auffälligen Befunden kann nur eine Prostatastanzbiopsie mit Sicherheit d as Vorliegen eines Prostatakarzinomes beweisen. Allerdings zeigen alle 3 Diagnosemethoden keine 100%-ige Sicherheit, sowohl was das Vorliegen eines Tumors betrifft, als auch dessen Ausschluss. Mit der Tastuntersuchung wird nur ein Bruchteil der Karzinome erkannt, wohingegen der PSA-Wert im Blut auch aufgrund einer Vielzahl von gutartigen Erkrankungen erhöht sein kann. Die Prostatastanzbiopsie fällt in etwa 30-50% der Fälle negativ aus. Bei bestehendem Verdacht ist häufig eine erneute Biopsie notwendig.

Der PCA-3-Test kann nach einmalig negativer Biopsie zusätzliche Informationen geben, ob eine weitere Biopsieserie notwendig ist oder nicht. In diesen Fällen ist der Test eine Entscheidungshilfe.
Zur Diagnostik des Prostatakarzinoms wird seit kurzem in der Urologischen Klinik ein neuartiger molekulargenetischer Urin-Test angeboten. Der PCA-3 Test ist hochspezifisch für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms und kann damit bei uneindeutigen Laborwerten Sicherheit schaffen oder wesentliches Kriterium für die Notwendigkeit einer Prostatabiopsie sein. : Zusammenfassung
Ab 1. Januar 2008 wird der PCA-3-Test nun im Labor der Universitätsklinik für Urologie in Tübingen durchgeführt. Tübingen ist damit eines von lediglich 7 Zentren europaweit, die von der Firma Gen-Probe in San Diego, USA, die diesen hochsensiblen Test zur Marktreife entwickelt hat, zum Einsatz ihres Tests in der klinischen Diagnostik ausgewählt wurden.
Der Test ist ein aufwändiges Verfahren mit dem eine Nukleinsäure (‚mRNA’) im so genannten Exprimaturin gemessen werden kann, die hochspezifisch für Prostatagewebe ist und die in Tumorzellen um ein vielfaches höhere Werte annimmt.
Nach einem Aufklärungsgespräch wird im Rahmen der rektalen Tastuntersuchung die Prostata nach einem speziellen Schema leicht massiert, und Prostatazellen werden durch das Prostatagangsystem in den Harntrakt freigesetzt. Der unmittelbar danach gewonnene Urin wird zur Testdurchführung verwendet. Da der Urin in den Röhrchen mehrere Tage auch bei Raumtemperatur gelagert werden kann, können die Proben mit der Post nach Tübingen gesandt werden.
Dort werden sie dann im molekularbiologischen Labor der Klinik analysiert. PCA3 ist ein Gen, dessen mRNA ausschließlich in Prostatazellen produziert wird. Prostatakarzinomzellen produzieren (‚exprimieren’) dabei 60 bis 100-fach mehr PCA3 als normales Prostatagewebe, nach heutigem Kenntnisstand ist diese Überexpression des PCA3-Gens diejenige Eigenschaft, die am spezifischsten für Prostatakarzinomgewebe ist. In über 95% untersuchter Proben aus Prostatakarzinomen ist eine solche Überexpression festgestellt worden.

Der Progensa PCA3-Test ist ein hochspezifischer Test zur Untersuchung von Prostatazellen im Urin. Er verbindet die Technologien der Target-Capture, Transcription Mediated Amplification (TMA) Methode und des Hybridisation-Protection-Assay (HPA), mit der PSA-mRNA und PCA3-mRNA in der Urinprobe quantitativ gemessen werden. Da sich PSA-mRNA – anders als das im Blut gemessene PSA-Protein - in normalen Prostatazellen und Tumorzellen nicht unterscheidet, kann so ihre Menge als Maßzahl für die enthaltenen Zellen herangezogen werden. Die gemessene Menge der PCA3-mRNA kann somit in Abhängigkeit der PSA-mRNA quantifiziert werden.
Das Ergebnis der Untersuchung besteht aus einem ‚Score’, d.h. einem Faktor um den das PCA3- Gen mehr vorhanden ist als das PSA-Gen. Mit zunehmendem Score steigt die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms. In wissenschaftlichen Studien hat der Wert von ‚35’ als Entscheidungsgrenze die beste Aussagekraft gezeigt, d.h. je mehr der gemessene Wert 35 übersteigt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine positive Biopsie, je tiefer er unter 35 liegt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms. Der Arzt kann aus diesem Laborwert ablesen, ob ein erhöhtes Risiko für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms vorliegt und ob damit weitere Untersuchungen zur Abklärung notwendig sind oder nicht.

Die Ergebnisse aktueller klinischer Studien belegen, dass der gemessene PCA-3 Score sowohl mit dem Tumorvolumen des gefundenen Prostatakarzinoms als auch mit dessen Entdifferenzierungsgrad – dem so genannten ‘Gleason-Score’ - ansteigt, so dass neben der Diagnostik auch eine Einschätzung für den Schweregrad des Tumors und damit seiner Prognose und notwendigen Nachsorge getroffen werden kann. Die Urologische Klinik in Tübingen war Studienzentrum einer europäischen multizentrischen Studie über den PCA3-Test. Es konnte gezeigt werden, dass der gemessene Score mit der erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Finden eines Tumors in einer wiederholten Biopsie bei zuvor negativem Ergebnis verbunden war. Diese Ergebnisse sind auf der diesjährigen Jahrestagung der europäischen Gesellschaft für Urologie in Berlin vorgestellt worden (Haese, van Poppel, Marberger, Mulders, Abbou, Boccon-Gibod, Stenzl, Huland, de la Taille, Schalken, Tinzl, Remsi: The value of the PCA3 assay in guiding decision which men with a negative prostate biopsy need immediate repeat biopsy: preliminary European data). Das Prostatavolumen scheint dabei, im Gegensatz zum PSA-Wert im Blut, keine Rolle zu spielen. Die Abgrenzung von Tumoren gegen das ‘benigne Prostata-Syndrom’ erscheint damit erleichtert.
Quelle:Klinik für Urologie, Kliniklabor, Universitätsklinikum Tübingen



